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Architekt zu sein, ist ein enormes Privileg

Anfang März wurde in Chicago erneut der renommierte Pritzker Preis verliehen. In diesem Jahr ging die höchste internationale Auszeichnung für Architektur an die Irinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara von Grafton Architects. Unsere Bildergalerie gibt Einblick in ihre Arbeit.

Die Dubliner Architektinnen Yvonne Farrell und Shelley McNamara sind die Trägerinnen des Pritzker Preises 2020. Beide sind bereits seit den 1970er Jahren auch als Lehrende tätig und erschaffen mit ihrer Arbeit Orte und Räume, die zugleich neu und respektvoll sind. Achtung vor der Geschichte zeichnet ihre Bauten ebenso aus wie ein meisterhaftes Verständnis von Urbanität und große handwerkliche Kunst. Ob akademische, kulturelle oder andere öffentliche Institutionen – jedes ihrer Werke balanciert Stärke und Zartheit, während immer die Rücksichtnahme auf den spezifischen lokalen Kontext spürbar bleibt. So schaffen Farrell und McNamara moderne und wirkungsvolle Gebäude, die nie wiederholen oder imitieren, sondern immer eine unverwechselbare architektonische Sprache sprechen.

Ihre Arbeiten – die stets großzügig und im selben Moment bescheiden sind – bereichern Städte, indem sie Nachhaltigkeit integrieren und auf spezifische lokale Anforderungen eingehen. Die Architektinnen sind sich jederzeit des Dialogs zwischen innen und außen bewusst, was sich im Zusammenspiel von öffentlichen und privaten Zonen genauso niederschlägt wie in der bedachten Auswahl und dem Einsatz von Materialien.

Farrell und McNamara haben Grafton Architects 1978 in Dublin gegründet, wo sie auch heute noch ihre Basis haben. In den etwas über 40 Jahren seither haben sie beinahe ebenso viele Projekte verwirklicht – unter anderem in Irland und im Vereinigten Königreich, in Italien, Frankreich und Peru.

Bleiben Sie in Verbindung. 

Town House Building, Kingston University

Kingston upon Thames, United Kingdom / 2019

Die neue Einrichtung will die Universität und die lokale Gemeinde zusammenbringen und als eine Art Tor zwischen der Hochschule und Kingston upon Thames agieren. Das Town House Building beherbergt ein Lernzentrum, ein Tanzstudio, einen überdachten Innenhof sowie ein Café. Das Innere des sechsstöckigen Gebäudes besteht aus großen, miteinander verbundenen Räumen von teilweise doppelter und dreifacher Höhe, die visuell wie physisch ineinander übergehen.

Man könnte die Architektur als eines der komplexesten und wichtigsten kulturellen Betätigungsfelder beschreiben. Architekt zu sein, ist ein enormes Privileg.

Yvonne Farrell, Grafton Architects
Trägerin des Pritzker Preises 2020

Universita Luigi Bocconi

Milan, Italy / 2008 

Einen ganzen Häuserblock umspannend, haben die Architekten ein Gebäude geschaffen, das sich vielmehr wie ein Campus aus Pavillons und Höfen anfühlt – mit einer vertikalen und nicht so sehr horizontalen Struktur. Die Konferenzräume, Vorlesungssäle, Büros und Meetingräume sowie die Bibliothek und das Café bieten 1.000 Professoren und Studierenden ein akademisches Zuhause. Dabei erzeugt der Bau von innen heraus ein Gefühl der Gemeinschaft und fügt sich unangestrengt in die ihn umgebende Stadt ein. Überall laden großzügige und vielseitige offene Flächen zu spontanen Begegnungen und zum Austausch ein.

 

Medical School, University of Limerick

Limerick, Ireland / 2012

Beiderseits des Flusses Shannon gelegen, ist die Medical School der University of Limerick Teil einer andauernden Expansion der Hochschule nach Norden. Mit dem „alten“ Campus durch eine Fußgängerbrücke verbunden, bestehen die neueren Einrichtungen unter anderem aus drei roten Backsteingebäuden, die ebenfalls von den Architektinnen entworfen wurden, sowie aus einem offenen und öffentlichen Platz, der als neuer Fokuspunkt dient. Das vierstöckige Gebäude verfügt über ein doppelt hohes Atrium und eine breite, offene Treppe – so haben die Nutzer alle Level ober- wie unterhalb im Blick.

Parnell Square Cultural Quarter, City Library

Dublin, Ireland / under construction

Das 8.000 Quadratmeter umspannende Gebäude wird nach Fertigstellung rund 3.000 Besucher täglich empfangen – denn die benachbarte und 1986 eröffnete Dublin Central Library kann die gewachsenen Anforderungen der Menschen an Lernumgebung und Nachhaltigkeit nicht länger erfüllen. Die Bibliothek bezieht sechs restaurierte, vierstöckige georgianische sowie zwei weitere Häuser am Parnell Square. In zweiter Reihe wird außerdem ein großer Neubau errichtet.

Université Toulouse 1 Capitole, School of Economics

Toulouse, France / 2019

An einer Wende des Canal de Garonne gelegen, ist der Standort der neuen School of Economics gleichermaßen bedeutend für die Universität und die Stadt. Um Räume zu gestalten, die zum Forschen und Lernen einladen, haben die Architekten sich für eine Gebäudestruktur entschieden, die das natürliche Licht sowie die Belüftung maximiert – von den Büros über die Seminarräume bis zu den Außenterrassen.

University Campus UTEC Lima

Lima, Peru / 2015

An einem durchaus schwierigen Standort zwischen einer vielbefahrenen Schnellstraße und einem Randgebiet der Stadt gelegen, ist die UTEC ein vertikal geschichtetes Gebäude nahe den Kliffs von Lima. Die größeren Räumlichkeiten sind ebenerdig zu finden, während Administration, die Büros des Lehrpersonals und kleinere Seminarräume auf den höheren Stockwerken liegen. Ganz oben bietet die Bibliothek einen Panoramablick über Stadt und Meer.

London School of Economics and Political Science

London, United Kingdom / under construction

Das Marshall Building entsteht auf dem lebendigen städtischen Campus der London School of Economics and Political Science (LSE). Es wird verschiedene akademische Departments beherbergen, ebenso wie eine Einrichtung für darstellende Kunst, Multifunktionssäle und ein Café. Die Great Hall, die zugleich Haupteingangspunkt sein wird, ist ein weiter, öffentlicher Raum mit etwa 800 Quadratmetern flexibel nutzbarer Fläche – der perfekte Ort für größere Events wie Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Dinner-Veranstaltungen und Tage der offenen Tür.

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